Leinen

Die Flachs- oder Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen.
Ab dem späten 19. Jahrhundert wurde Leinen durch Baumwolle nahezu vollständig verdrängt. Es gewinnt heute als ökologische Naturfaser wieder an Bedeutung.

Bei der Ernte werden die Leinpflanzen mit den Wurzeln aus dem Boden ausgerissen, da Mähen die Fasern zerstören würde. Das Flachsstroh wird auf den Feldern liegengelassen. Durch die Taufeuchte bauen Bakterien und Pilze die Pektine in den Pflanzen ab. Dieses Verfahren ist relativ umweltfreundlich, da so Nährstoffe wieder in den Boden gelangen. Nach der Röste wird das Stroh getrocknet. Hierbei wird das Stroh zunächst gebrochen, der Holzkern wird zerkleinert. Beim anschließenden Schlagen werden die Holzstücke vom Flachs getrennt. Der Flachs wird gekämmt.

Der Anteil des Leinens am weltweiten Faseraufkommens liegt nur bei rund zwei Prozent.

Die Leinenproduktion ist im Gegensatz zur Baumwolle auf wenig Chemikalieneinsatz (Dünger, Pestizide) angewiesen. Leinen ist die einzige Naturfaser, die in kontrolliert biologischer Qualität aus heimischem Anbau (Westeuropa) auf dem Markt ist.

In Ägypten, Mesopotamien und Phönizien wurden bereits vor 6000 bis 7000 Jahren Leinen systematisch verarbeitet. Ägyptische Mumien sind in Leinenstreifen gehüllt. Im Mittelalter wurde Leinen durch die schmutzabweisende Eigenschaft bevorzugt für körpernahe Verwendung eingesetzt.